Am Anfang war der Probenraum ...

Manfred Pohl, Bassist und Gitarrist bei All Men Work, dürfte ganz richtig liegen, wenn er sagt, Bandgeschichten nähmen ihren Anfang üblicherweise umgekehrt: "Eigentlich finden sich Musiker zusammen, wollen etwas machen und suchen dann einen Ort dafür." Nicht so bei All Men Work.

Bei den vier Musikern aus Duderstadt läuft einiges anders als in der Otto-Normalverbraucher-Band. So entstand die Gruppe aus einer Zusammenarbeit von Schlagzeuger Uwe Pohl und Gitarrist Martin Wihgrab, die gemeinsam mit befreundeten Musikern ein Projekt für das Bürgerfest der Lebenshilfe 2015 ins Leben riefen. Danach hätte eigentlich Schluss sein können mit den gemeinsamen Bandbestrebungen - von weiteren Live-Auftritten sei überhaupt nicht die Rede gewesen, so Pohl. Doch die beiden Musiker, wie alle anderen in der Band alte Hasen im Geschäft, spürten: Da geht noch mehr. So trafen sie sich "aus Spaß an der Freud'", wie Drummer Uwe Pohl sagt, immer regelmäßiger im Studio 16, dem Probenraum im Gewerbepark Euzenberg. Jammen, jammen, jammen, bis sich die ersten Song-Ideen herauskristallisierten.

Raum für Individualität

Zeitgleich holten sich Wihgrab und Pohl Unterstützung ins Haus: Alfons Rosenthal und Manfred Pohl, die je Gitarre und Bass beisteuern sollten. Und singen. Denn das macht den Sound von All Men Work aus: Statt einer tragenden Stimme im Vordergrund, auf die viele Bands im Rockbereich setzen, gibt es bei den schuftenden Männern gleichberechtigten, mehrstimmigen Gesang.

Jeder der vier wusste zu diesem Zeitpunkt genau, worauf er sich einließ: Seit Jahrzehnten kannten sich die Musiker bereits, in Combos wie Forest and Stream, Radio Durango oder Country Corner hatten sich ihre Wege bereits gekreuzt. Und sie wussten gegenseitig um die Qualitäten der anderen. Bis heute ist der Sound der Band davon geprägt, das dem individuellen Spiel Raum gegeben wird, sich die Instrumentalisten ebenso wie die Gesangsstimmen gegenseitig ergänzen. Dank jahrzehntelangen Ausbildungen an ihren jeweiligen Instrumenten wirkt das Ergebnis dabei leicht und filigran, zugleich aber auch geradeaus und druckvoll.

Rock der 70er und 80er in die Gegenwart überführt

Vielleicht bilden die Songs deshalb solch geschlossene Einheiten, weil sie gemeinsam erarbeitet werden. "Mal kommt einer von uns mit einem fertigen Song und wir arrangieren dann zusammen, mal schreiben wir gemeinsam", erklärt Wihgrab das Prinzip. Was dabei herauskommt, ist Gitarren-Rock, der Elemente aus den 1970er- und 1980er-Jahren in die Gegenwart holt, mit englischen Texten. Nicht immer hätten diese autobiografischen Bezug, sagen die Musiker. Manchmal erzählten sie auch von Träumen oder Ängsten oder seien frei erfunden.

Der Zuhörer dürfte den Unterschied nicht bemerken. Er nimmt nur das geschlossene Bild wahr, das die Musiker mit jedem ihrer selbst geschriebenen Titel hinterlassen. Auch das ist Teil der Band-Philosophie: Eigene Songs sollen im Mittelpunkt stehen, komplett live gespielt. Wie das klingt, konnten bisher nur wenige Gäste eines Probe-Gigs Ende 2016 erleben, als im Kulturwerk Euzenberg ein Weihnachtsmarkt mit Live-Musik stattfand. Nun wollen All Men Work vermehrt Gelegenheit bieten, von sich hören zu lassen. Ein erster Termin steht: Am Sonnabend, 7. April, soll es einen gemeinsamen Auftritt mit Thomas Mühlhaus geben. Ort des Geschehens ist die Halle 16, die Veranstaltungshalle des Kulturwerk Euzenbergs in Duderstadt - gar nicht weit weg von dem Ort, an dem alles seinen Anfang nahm.

Schaut man sich die Liste der Stücke an, die Thomas Mühlhaus in seinem Repertoire hat, könnte man glatt auf die Idee kommen, es mit einem professionellen Alleinunterhalter zu tun zu haben. "380 dürften es sein", schätzt er. Lieblinge habe er nicht. "Eigentlich sind sie alle schön, man muss sie nur kenen." Da sein Publikum ganz unterschiedlich und entsprechend auf verschiedenen Wissensständen sei, was den musikalischen Horizont angehe, befänden sich unter den Songs so einige Gassenhauer - von den Beatles bis zu den Stones. Sie zu beherrschen, erlaubt es Mühlhaus, die "lebendige Jukebox" zu machen, was bei Live-Konzerten immer gut ankommt: Zuschauer rufen ihm spontan einen Songtitel zu, er geht ebenso spontan darauf ein. Das funktioniert eben nur mit ordentlich Songs auf Tasche.
Bewiesen hat er seine Flexibilität bereits bei mehreren Duderstädter Musiknächten oder auch live im Old Sailor in Seeburg. Als "Thomas Mühlhaus & Friends" standen dabei die Stimme und das Gitarrenspiel des Obernfelders im Mittelpunkt, begleitet wurde er von wechselnden Musikern. Der Purismus, der den Mühlhaus-Sound bestimmt, wird dabei trotz teils intensiver und langer Auftritte des Musikers nie langweilig - weil er sein Publikum mit einbezieht und immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. "Ich habe Spaß daran, wenn die Leute mitgehen", sagt Mühlhaus. Interaktion mit dem Publikum solle bei seinen Konzerten den Eindruck erwecken, man sitze gemeinsam "auf dem Sofa im Wohnzimmer mit der Familie und Freunden". Sein Traum wäre es, dieses Gefühl jederzeit haben zu können - in einem alten Bauernhaus mit einem Musikzimmer, in dem immer Platz für befreundete Musiker sei, und einer Terrasse, auf der sonntagsmorgens gejammt würde.
Unter die Profis will Mühlhaus aber nicht mehr gehen. "Dafür ist es in diesem Leben zu spät. Also übe ich fürs nächste", sagt er lachend.
Angefangen hat er mit einer "Wandergitarre für 30 Mark", beschreibt der Musiker seinen Werdegang. Mit zwei Saiten habee er angefangen, bis er sich ordentliche Instrumente leisten konnte. Heute sei er bei mehreren sechs- und einer zwölfsaitigen angelangt, erklärt er - und legt Wert auf Qualität. Vieles von dem, was ihn zu einem guten Musiker gemacht habe, sei dabei im Verborgenen geschehen. "Meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich mit 55 Jahren auf der Harz Mountain Ranch", blickt der heute 61-Jährige schmunzelnd zurück. "Schuld daran" sei Alfons Rosenthal gewesen, mit der er im April gemeinsam das Konzert im Kulturwerk bestreiten werde. "Er hat mich animiert, mitzuspielen und zu singen - und ich hatte Spaß daran".
Beim Konzert im Kulturwerk Euzenberg treffen also lauter bekannte Musiker aufeinander - und präsentieren sich aber in einer bisher nur selten gehörten Konstellation. Beginn ist um 20 Uhr, der Einlass soll eine Stunde zuvor erfolgen. Die Bands wollen teils getrennt, teils zusammen auftreten - und bei Bedarf auch das Publikum einbinden, sollte sich dies ergeben. "Die Bühne steht jedem offen", sagt Uwe Pohl. Der Eintritt kostet 5 Euro, Getränke und kleine Snacks soll es zu verträglichen Preisen geben.